Eigentlich.
Wäre da nicht der Zug. Und andere Umstände.
Ich war sehr entspannt als ich zurück nach Hause fahren wollte. Doch ich musste am Frankfurter (Main) Hbf umsteigen. Dort fand ich schnelle 20 Minuten um noch fix eine Karte abzuschicken und draußen vor dem Bahnhofsvorplatz ein verwackeltes Foto der dortigen Skyline zu machen. Schön, dachte ich mir. Ich ahnte noch nichts...
Mein Zug sollte 17:20 Uhr abfahren. Theoretisch. Ich möchte hier kurz einwerfen, dass ich zuvor im Mannheimer Bahnhof ein Buch kaufte:
„Senk ju vor träwelling“
Dieses Buch sollte sich jeder Bahnreisende VOR Antritt der Reise kaufen. Nachher werden Sie zwar trotzdem lachen, aber dies wird einen faden Beigeschmack ob der erlebten Traumata haben!
Aber zurück zu Frankfurt:
Theorie:
Mittwoch, 17.20 Uhr: Abfahrt des Zuges. Ziel: Dresden Hbf (ohne Umstieg)
Praxis: nichts passiert. Die Anzeige (siehe 1 Zeile oben) wechselt sich minütlich mit folgender Anzeige ab: „Einfahrender Zug. Bitte nicht einsteigen!“.
Aber Zug hin oder her. Es kam eh keiner. Kein einfahrender und auch kein ausfahrender. Inzwischen war es halb 6 und es kam eine verständliche (!) Durchsage, der Zug würde ersatzlos entfallen.
Ich Trottel hatte mich leider mittig auf dem Bahnsteig platziert. Also hastete ich an anderen, langsameren potentiellen Mitreisenden vorbei um schnell zum ServicePoint zu gelangen. Überraschenderweise erhielt ich schnell und freundlich eine Alternativroute ausgehändigt. Ich müsse mit einem anderen ICE fahren, doch leider müsse ich umsteigen. Als ich da so am Bahnsteig wartete schaute ich auf die ausgedruckte Route:
Ankunft im Bhf 17:53 Uhr, Abfahrt 17:56 Uhr.
Leider gab es da noch den (anderen!) Zug. Der fuhr nach München und sollte 3 Minuten vor "meinem" ankommen, nämlich 17:50 Uhr. Auf dem gleichen Gleis, versteht sich. So war alles ein bisschen durcheinander. Vor allem die potentiellen Passagiere beider Züge. Und die Abfahrtszeiten sowieso.
Das wurde auch nicht besser als folgende Durchsage kam: „DING, DANG, DONG. Sehr geehrte Damen und Herren am Gleis 8. Reisende nach Dresden Hbf nutzen bitte den ICE 1644 nach Hamburg Hbf über Fulda am Gleis 8. Das gleiche Gleis. In Fulda besteht Anschluss zum ICE nach Dresden Hbf. Dieser Zug fährt voraussichtlich verspä...“
krächtz, krach „DING DANG DONG. Sehr geehrte Damen und Herren am Gleis 8. Es fährt ein: der ICE 1234 nach München Hbf über Stuttgart, blabla.“ Hach ja. Ausnahmsweise verstehe ich mal was und dann wird die Ansage „überlagert“ durch unnütze Informationen. Wäre sonst ja langweilig.
Dann war es soweit: Mit 1.000 anderen Leute quetschte ich mich also in ICE Richtung Hamburg. Natürlich war die ersten 3 Wagen von hinten aus gesehen nur 1. Klasse. Und natürlich stand ich diesmal hinten am Bahnsteig. (Es war ein Sackgassenbahnhof.) Dann folgte das BordBistro. Dort verbrachte ich auch die nächste Stunde nach Fulda gut gelaunt. Stehend an einem Seitentischchen hatte ich eine Menge Spaß beim „Senk ju...“ lesen. Warum ich da stand? Nun ja, vor mir war alles voll. Und ich wollte nicht so enden wie im nächsten Absatz. Denn das wäre ich zweifellos.
Beim Umstieg in Fulda hatte ich den Eindruck die Einwohnerzahl der Stadt hätte sich innerhalb von Sekunden mindestens verdreifacht. Alle wollte in den ICE, der jetzt endlich auch nach Dresden fuhr. Ich war schweißgebadet, denn ich dachte mit Schrecken an eine 4-stündige Zugfahrt. Stehend. Zwischen dicken, stinkenden, biertrinkenden Männern und dem einzigen begehbaren Zugang zum Klo.
Doch es sollte anders werden. Ich saß inmitten von 4 Australiern, die direkt aus Wacken kamen und zu einem weiteren Metalfestival bei Weimar wollten. Endlich normale Menschen! Die Fahrt war also sehr angenehm. Ich sag’s ja: Zugfahren kann so schön sein!